„Farbe ist eine Erscheinung des Lichtes“


Diese These ist die Basis meines Interesses in meiner Malerei seit 1989, als meine erste Malerei auf einer Glasplatte entstand. In den hier vorliegenden Abbildungen sind ausschließlich Malereien auf Plexiglasplatten zusehen.

Auf mattierten Plexiglasplatten wird in hauchdünnen Lasuren Farbe zu Farblichträumen aufgeschichtet und zu höchster Lichtintensität verdichtet. Der Farbauftrag erfolgt mittels handelsüblicher Schaumstoffwalzen nach einer zuvor ausgedachten mathematischen Kompositionsstruktur, die mir den Flächenaufbau der Malerei vorgibt. Diese Kompositionsstruktur lässt genügend Spielraum, um an dem „Farbraum“ nach künstlerischem Belieben zu arbeiten/zu malen (siehe Zeichnung „Partitur“). Die Malerei bleibt bis zum Schluss transluzid und ist folglich auf das Engste mit der jeweiligen Lichtsituation verbunden, so dass jede Veränderung des Lichtes auch die Malerei entscheidend in ihrem Farbcharakter verändert.

Die Oberfläche meiner Malerei ist vollkommen matt und ohne jede Spur eines Malprozesses, so dass der Betrachter eine Verortung des Farbfeldes vor der Wand nicht vornehmen kann. Er versinkt mit den Augen in einem grenzenlosen, pulsierenden Farblichtraum. Einem emotionsgeladenen Feld, das der Betrachter in seinen Einzelelementen analysieren kann, aber bei Betrachtung der Malerei wieder in den Bann der Unerklärlichkeit des zu Sehenden gezogen wird.

Durch die Enge Verbindung mit Licht und der mattierten transparenten Kunststoffträgerplatte meiner Malerei, welche auf kurze Distanz vor die Wand gehängt wird, erscheint dem Betrachter ein frei vor der Wand schwebendes Farbfeld, scheinbar ohne Träger, ganz farbiges Licht, mit enormer Leuchtkraft und einer stetig pulsierenden Farbenergie. In der Realität vor einer solchen Malerei ist man Beobachter eines Prozesses, nämlich der Einwirkung des Lichtes auf meine Malerei und deren permanenter Veränderung.

Der Versuch einer photographischen Abbildung einer solchen Malerei beendet aber den beschriebenen Prozess der direkten Lichteinwirkung auf meine Bildobjekte und nimmt ihr damit sozusagen die „Seele“. Gerade diese Eigenschaften machen eine Abbildung meiner Arbeiten so schwierig, da für den Betrachter der photographischen Wiedergabe nur ein unscharfes Farbfeld zurückbleibt, das sich einer optischen Erklärung völlig entzieht. Unter Berücksichtigung dieser Eigenschaften meiner Arbeit habe ich darauf verzichtet die Arbeiten frontal abzubilden und auch phototechnisch perfekt auszuleuchten, da die Arbeiten nie gleich sind und zu jeder Sekunde anders erscheinen. Alle Arbeiten sind im Atelier unter den gegebenen Tageslichtbedingungen photographiert worden.



Thomas Deyle